Die AHK Neuseeland veranstaltete gemeinsam mit adelphi im Rahmen des Energiedialogs zwischen Neuseeland und Deutschland, der durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird, zwei Fachwebinare zu den Themen Freiflächen-Photovoltaik und Onshore-Windenergie. Die Veranstaltungen brachten Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik, Netzbetrieb, Finanzwirtschaft und Projektentwicklung aus Neuseeland und Deutschland zusammen, um aktuelle Entwicklungen in beiden Märkten zu diskutieren. Dabei boten die Webinare eine wertvolle Plattform, um Markttrends zu vergleichen, gemeinsame Herausforderungen zu identifizieren und Möglichkeiten für den bilateralen Wissens- und Erfahrungsaustausch auszuloten.
Die Diskussionen machten deutlich, dass Deutschland und Neuseeland zwar unterschiedliche Ausgangsbedingungen und Marktgrößen aufweisen, jedoch vor ähnlichen Aufgaben stehen: den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und zunehmende Mengen erneuerbaren Stroms effizient in die Energiesysteme zu integrieren. Ein zentrales Fazit beider Veranstaltungen war, dass die Herausforderung heute weniger in der Technologie selbst liegt als vielmehr in der Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für einen Ausbau im erforderlichen Umfang und eine erfolgreiche Systemintegration.
Freiflächen-Photovoltaik: Vom Markthochlauf zur Systemintegration
Im Mittelpunkt des ersten Webinars stand die dynamische Entwicklung des neuseeländischen Marktes für Freiflächen-Photovoltaik und dessen Vergleich mit dem bereits weit entwickelten deutschen Solarmarkt. Der neuseeländische Solarsektor hat in den vergangenen Jahren ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnet. Die Referenten verwiesen auf eine umfangreiche Projektpipeline, steigendes Investoreninteresse sowie die wichtige Rolle, die Solarenergie bei der Deckung des künftig steigenden Strombedarfs im Zuge der zunehmenden Elektrifizierung spielen wird.
Deutschland diente dabei als wertvoller Referenzmarkt. Mit rund 100 GW installierter Photovoltaikleistung und einem etablierten Ausschreibungssystem hat Deutschland gezeigt, wie sich Solarenergie im industriellen Maßstab erfolgreich ausbauen lässt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass mit dem Erfolg neue Herausforderungen entstehen. Mit zunehmender Photovoltaikdurchdringung gewinnen Themen wie Netzengpässe, Abregelungen (Curtailment), Netzanschlusskapazitäten und die Integration der Erzeugung in das Stromsystem an Bedeutung. Die Erfahrungen aus Deutschland verdeutlichen, wie sich der Fokus der Energiewende von der reinen Kostensenkung der Stromerzeugung hin zur effizienten Integration großer Mengen erneuerbarer Energien verschiebt.
Darüber hinaus wurden unterschiedliche Finanzierungsmodelle, Marktdesigns, Genehmigungsprozesse sowie Netzanschlussverfahren diskutiert. Ein wiederkehrendes Thema war die Bedeutung einer langfristigen Planung und einer engen Abstimmung zwischen Projektentwicklern, Netzbetreibern, politischen Entscheidungsträgern und Investoren, um das Wachstum des Solarsektors nachhaltig zu unterstützen.
Onshore-Windenergie: Erneuerbare Stromerzeugung im großen Maßstab ausbauen
Das zweite Webinar widmete sich der Onshore-Windenergie – einer weiteren zentralen Säule der Energiewende in beiden Ländern. Die New Zealand Wind Energy Association stellte die ambitionierten Wachstumspläne des neuseeländischen Windenergiesektors vor. Neuseeland verfügt über hervorragende Windressourcen und eine stetig wachsende Projektpipeline. Bis 2050 strebt der Sektor eine installierte Windenergieleistung von rund 8 GW an. Die Windenergie soll dabei etwa die Hälfte des zusätzlichen erneuerbaren Strombedarfs decken, der für die Dekarbonisierung und Elektrifizierung der Wirtschaft erforderlich sein wird.
Ein Vertreter der deutschen Windenergiebranche gab Einblicke in einen der weltweit am weitesten entwickelten Onshore-Windmärkte. Vorgestellt wurden das deutsche Ausschreibungssystem, aktuelle Genehmigungsprozesse sowie laufende regulatorische Entwicklungen. Gleichzeitig wurde auf die große Zahl bereits genehmigter oder in Entwicklung befindlicher Projekte hingewiesen. Die Erfahrungen Deutschlands verdeutlichen sowohl die Chancen als auch die Komplexität eines großflächigen Ausbaus der Windenergie.
Über beide Märkte hinweg zeigten sich mehrere gemeinsame Herausforderungen. Insbesondere der Ausbau der Übertragungsnetze und ausreichende Netzkapazitäten waren wiederkehrende Themen. Da sich manche besonders attraktive Standorte für erneuerbare Energien weit entfernt von den Verbrauchszentren befinden, sind erhebliche Investitionen in die Netzinfrastruktur erforderlich. Eine vorausschauende Netzplanung, effiziente Netzanschlussprozesse sowie eine bessere Abstimmung zwischen Erzeugungs- und Netzausbau wurden als zentrale Voraussetzungen für künftiges Wachstum identifiziert.
Darüber hinaus diskutierten die Referenten den steigenden Bedarf an Fachkräften, Herausforderungen in den Lieferketten sowie die zunehmende Größe und Komplexität moderner Windenergieprojekte. Größere Turbinen, neue Projektkonzepte und der Wettbewerb um spezialisierte Ausrüstung und qualifiziertes Personal verändern die Anforderungen an Planung und Umsetzung. Gleichzeitig unterstrichen Projektentwickler die Bedeutung effizienter Genehmigungsverfahren und stabiler Investitionsbedingungen, um das Potenzial des Sektors vollständig auszuschöpfen.
Gemeinsame Erkenntnisse für die Energiewende
Ein zentrales Fazit beider Webinare war, dass die Kosten erneuerbarer Energietechnologien heute zunehmend in den Hintergrund treten. Stattdessen rücken Themen wie Netzintegration, Übertragungsinfrastruktur, Genehmigungsverfahren, Finanzierung und Projektumsetzung stärker in den Fokus. Ob Solar- oder Windenergie – die Teilnehmenden waren sich einig, dass ein erfolgreicher Ausbau nur durch eine enge Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette möglich ist.
Mit dem Energiedialog zwischen Neuseeland und Deutschland bot einen wichtigen Rahmen für den Austausch zwischen Akteuren aus Neuseeland und Deutschland. Angesichts ambitionierter Ausbauziele für erneuerbare Energien in beiden Ländern leisten Formate wie diese einen wertvollen Beitrag dazu, Erfahrungen zu teilen, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam praxisnahe Lösungen für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energiezukunft zu entwickeln.